Ausstellungen

Historische und kulturgeschichtliche Streifzüge durch West- und Ostpreußen


Die Ost- und Westpreußenstiftung zeigt in ihren Räumen in der Ferdinand-Schulz-Allee 3 einen Teil ihrer Sammlung, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ausgewählte Exponate werfen einige Schlaglichter auf politische und kulturelle Geschehnisse und damit auf ein Land, das für viele Deutsche über Jahrhunderte hinweg einmal Heimat war.

Dass heute, mehr als 60 Jahre nach Kriegsende, nach Schreckensherrschaft, Morden und Vertreibung der Wunsch nach Versöhnung zwischen den Völkern immer breiter Raum greift, lässt hoffen.
Eines der Opfer, Marion Gräfin Dönhoff, hat dies in ihrem Buch „Kindheit in Ostpreußen" treffend formuliert:

„Wenn ich an die Wälder und Seen Ostpreußens denke, an die weiten Wiesen und alten Alleen, dann bin ich sicher, dass sie noch genauso unvergleichlich schön sind wie damals, als sie mir Heimat waren. Vielleicht ist dies der höchste Grad der Liebe: zu lieben, ohne zu besitzen."

 


Flucht und Vertreibung · Der Deutsche Orden · Das Zeitalter Friedrich II. des Großen
Die Napoleonischen Kriege · 19. Jahrhundert und 1. Weltkrieg · Widerstand im 2. Weltkrieg
Kunsthandwerk & Wirtschaft · Kunst & Literatur:  M. Halbe · E. Wichert · Königsberger Kunstakademie

 

 

 

Flucht und Vertreibung   ↑


In Folge der verbrecherischen Politik Nazi-Deutschlands versank auch Ost- und Westpreußen ab Januar 1945 innerhalb weniger Monate in einem infernalischen Totentanz. Die Ausstellung befasst sich daher eingangs mit den Ereignissen von Flucht und Vertreibung über Land und See. Was neben dem eigenen Leben gerettet werden konnte, hatte oft nur in einer einfachen Holzkiste Platz. Die Künstlerin Erica Durban hat anhand von eigenen Erlebnissen eine eindrucksvolle Grafikserie geschaffen, die die Leiden der Flucht darstellen soll.

Alter Mann auf Trümmerfeld
– Ostpreußen –
Alter Mann auf Trümmerfeld
OWP Transportkiste
– Transportkiste –
Am Kriegsende von Möbeltransportunternehmer
Gustav Knauer nach Berlin expediert
Flucht aus Ostpreußen im Winter 1945
Flucht aus Ostpreußen im Winter 1945
Pastellkreide von Erica Durban, 1985

 

 

 

Der Deutsche Orden   ↑


Im weiteren Verlauf informiert die Ausstellung über den Deutschen Orden in Preußen und die politischen Ereignisse, die 1657 mit dem Vertrag von Wehlau zur vollen Souveränität des Herzogtums Preußens unter Friedrich Wilhelm von Brandenburg, dem Großen Kurfürsten, führte (1640-88).

 

 

 

Das Zeitalter Friedrich II. des Großen   ↑


Anschließend das Zeitalter Friedrich II. des Großen (1712-1786), die Epoche, in der Preußen nach dem 7-jährigen Krieg um Schlesien und nach dem Hubertusburger Frieden 1763 endgültig in den Kreis der europäischen Großmächte eintrat. Religiöse Toleranz unter Friedrich II. am Beispiel der Aufnahme der Salzburger Immigranten steht für das Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus, in dem sich Friedrich II. als „erster Diener" seines Staates sah. Reformen von Heer-, Rechts- und Erziehungswesen sowie der Landwirtschaft in den Gebieten von Ost- und Westpreußen sind nachhaltige Maßnahmen seiner Regentschaft.

Friedrich der Große zu Pferd
Friedrich der Große zu Pferd
Radierung von Corsberg um 1900
Preußisches Wappen auf Ofenplatte
Preußisches Wappen
auf einer Ofenplatte, 1768

 

 

Die Napoleonischen Kriege   ↑


Als nächstes:

Ost- und Westpreußen im Schatten der Napoleonischen Kriege mit dem Frieden von Tilsit am 7. Juli 1807.

Königin Luise empfängt Napoleon im Mai 1807, um günstige Friedensbedingungen zu erbitten, allerdings ohne Erfolg. Preußen fühlt sich durch den Tilsiter Friedensvertrag verstümmelt und gedemütigt.

Napoleon und die Ereignisse von Tilsit
Napoleon und die Ereignisse von Tilsit
Die Befreiungskriege 1812/13
Die Befreiungskriege 1812/13

 

Die Befreiungskriege 1812/13 –
General Graf Yorck von Wartenburg schließt 1812 ohne Rücksprache mit seinem zaudernden preußischen König Friedrich Wilhelm III. mit dem russischen General Diebitsch die Konvention von Tauroggen, die die Erhebung gegen Napoleon einleitet. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 17./18. Oktober 1813, die Napoleon verliert, muss er Deutschland räumen.

 

 

19. Jahrhundert und 1. Weltkrieg   ↑


Preußische Pickelhaube
Preußische Pickelhaube
19. Jahrhundert

 

 

Widerstand im 2. Weltkrieg   ↑


Nächstes Streiflicht: Der Widerstand im zweiten Weltkrieg wird an den beiden Männern im Widerstand Heinrich Graf von Lehndorff und Heinrich Graf zu Dohna dargestellt.

Heinrich Graf Lehndorff war der letzte Besitzer des ostpreußischen Gutes Steinort, das von 1420 bis 1944 ununterbrochen im Besitz der Familie Lehndorff war. Graf Lehndorff gehörte zur Widerstandsgruppe Tresckow und Stauffenberg. Am 4. September 1944 wurde er in Plötzensee von den Nazis gehängt. Er wurde nur 35 Jahre alt.

Damals, am 20. Juli 44, starben von Henkers Hand viele verantwortungsvolle deutsche Bürger, unter ihnen auch Angehörige der Familien mit den großen preußischen Namen

Lehndorff  ·  Schulenburg  ·  Moltke  ·  Dohna  ·  Schwerin  ·  Yorck

Obwohl zu spät, haben sie dennoch mit ihrem Opfer Zeichen gesetzt für ein neues Deutschland.

 

 

Kunsthandwerk und Wirtschaft   ↑


Kunsthandwerk und Wirtschaft West- und Ostpreußens. Die Bernsteingewinnung: Seit vielleicht 6000 Jahren schon dient das Gold des Samlandes den Menschen als Schmuck. Das Elektron, wie Bernstein im Altertum genannt wurde, stammt von harzhaltigen Kiefernarten der Tertiärzeit ab, die, im Waldboden abgelagert, unter den Meeresboden sanken. Nach Jahrmillionen kamen sie durch Auswaschungen zu Tage, wurden gesammelt oder auch, wie in Palmnicken, industriell abgebaut. In der Ausstellung sehen Sie Schmuck und Gebrauchsgegenstände, die in den Jahren um 1900 in Ost- und Westpreußen gefertigt wurden.

Bernstein
– Reise ins Bernsteinland –
Seltener weisser Bernstein
Seltener weisser Bernstein
mit Einschlüssen
Bernsteinmuseum Nidden
Bernstein aus 3 Jahrtausenden
– Bernsteinmuseum Nidden –

 

Pferdeland Trakehnen. Das berühmte Gestüt wurde 1732 von Friedrich Wilhelm I., dem Vater Friedrich des Großen, gegründet und umfasste Ende 1945 etwa 6000 Hektar Land, auf dem 350 ausgewählte Mutterstuten und 20 Hauptbeschäler gehalten wurden. Jeder der Hauptbeschäler besaß einen eigenen Pavillon mit dazugehöriger eigener Weide. Der Stammbaum dieser wertvollen Hengste reichte häufig bis in ferne Jahrhunderte zurück.

Der Künstler Oscar Merté hat in einem großformatigen Bild um 1940 eine Fuchsstutenherde in Trakehnen festgehalten, das die Schönheit der Trakehner Pferde darstellt.

Trakehner Rotfuchsstutenherde
Rotfuchsstutenherde in Trakehnen (Ausschnitt)
Gemälde von Oscar Merté, um 1900

 

In der folgenden Abteilung der Ausstellung im Erdgeschoss sehen Sie eine große Anzahl von Gerätschaften aus Hauswirtschaft und Handwerk in Ost- und Westpreußen. Viele persönliche Dinge erzählen vom Leben in Haus und Hof der so genannten „kleinen Leute" vor dem großen Krieg.

Verlobungsanzeige Hewig Lehmann
Verlobungsanzeige von Hedwig Lehmann
mit Karl Schlizio, Sergeant im
Infanterie Regiment von Boyen in Lötzen, 1890
Operntasche – Perlenstickerei
Initialen Hedwig Lehmann auf Bügeltuch
Initialen von Hedwig Lehmann auf ein Bügeltuch gestickt

 

 

 

Kunst und Literatur – Max Halbe · Ernst Wichert  ↑


Im Untergeschoss des Hauses befindet sich eine umfangreiche Sammlung aus dem Nachlass des Schriftstellers Max Halbe, mit Schriften, Möbeln und persönlichen Besitztümern.

Halbe wurde 1865 in Güttland bei Danzig geboren, studierte Rechtswissenschaft, Germanistik und Geschichte in Heidelberg, Berlin und München, wo er seit 1895 als freier Schriftsteller lebte. Mit 28 Jahren, 1893, erobert er mit seinem Theaterstück „Jugend" die deutschen Bühnen. Er gilt, neben Gerhart Hauptmann, als bedeutender Dramatiker des deutschen Naturalismus.

Max Halbe
– Portrait Max Halbe –
Kreidezeichnung von Friedrich Maria Aders
zum Geburtstag von Max Halbe
am 4. Oktober 1925
„Jugend" von Max Halbe
– „Jugend" von Max Halbe –
Erstausgabe im Verlag Helmut Küpper
Berlin 1893

 

Stoffe und Motive entnimmt Halbe oft seiner westpreußischen Heimat und den Menschen, die dort lebten. Sein autobiographisches Werk „Jahrhundertwende" (1893-1914) gilt als Fundgrube zur Bewertung des deutschen Realismus und der Kultur in der Zeit um 1900.

Max Halbe Möbelsammlung
Möbelsammlung aus Besitz von Max Halbe

 

 

Der Schriftsteller und Jurist Ernst Wichert wurde in Ostpreußen in Insterburg am 11.3.1831 geboren. Er war Kammergerichtsrat in Berlin. Auf seinen Wanderungen in Ostpreußen entstanden mehrere Skizzenbücher mit Aquarellzeichnungen dieser Landschaft, die er sehr liebte. Wichert schrieb Romane und Novellen, vor allem aus Preußens Geschichte, z.B. „Heinrich von Plauen" (1881) und „Der große Kurfürst" (1886/87)

Ebenso zu sehen aus früheren Jahren: eine Zeichnung des Biedermeier-Interieurs seiner Berliner Wohnung.

Wohnung von Ernst Wichert
Interior der Berliner Wohnung von Ernst Wichert
Pastellzeichnung von Ernst Wichert

 

 

 

Königsberger Kunstakademie   ↑


Im gesamten Austellungsbereich werden Bilder und Graphiken hauptsächlich von ostpreußischen Künstlern und Künstlerinnen präsentiert, die im Zusammenhang mit der Königsberger Kunstakademie stehen.

Die Königsberger Kunstakademie wurde 1845 von König Friedrich Wilhelm IV. gegründet und nach Plänen von Uhrich gebaut. Die Akademie, die 1945 unterging, hat eine Vielzahl von Künstlern hervorgebracht, die die ost- und westpreußische Landschaft gezeichnet und gemalt haben. Zu den bekanntesten Studenten gehörte Lovis Corinth.  In der Ost- und Westpreußenstiftung sind unter anderem Arbeiten folgender Künstler verwahrt:

Artur Degner · Paul Borchert · Robert Hoffmann-Salpier · Eduard Matzick · Alfred Partikel · Emil Neide
Hans Simoleit · Johannes Heideck · Karl Schröder-Tapiau · Alaia Weber-Hohengrund

 

Samlandküste
– Samlandküste vor Brüsterort –
Aquarell von Walter Preiß, 1933
Ostseebad Zoppot
– Ostseebad Zoppot in der Danziger Bucht –
Aquarell von Walter Preiß, 1932

 

Mit diesen Bildern des Erinnerns endet der Rundgang durch die fast 800-jährige Geschichte und Kulturgeschichte Ost- und Westpreußens und den Menschen, die dieses Land einst bevölkerten.

Krantor in Danzig
– Das Krantor in Danzig –
Aquarell von Theo Urtnowski, 1910
Weinlokal Blutgericht
"Beim Wein" im berühmten Weinlokal „Blutgericht"
im Kellergewölbe des Königsberger Schlosses
Graphik um 1900

 


Fotonachweis: © Kurt Scholz

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